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Kinderfreizeit 2006 an der Nordsee
Zum diesjährigen Kinderferienlager vom 23.07 - 06.08.2006 in der Jugendherberge
in
Otterndorf
konnten wir drei deutsche, neun russische und erstmals zwei polnische Kinder
begrüßen. Als Betreuerinnen waren Valentina Jenowa Wassiljewna (Lasdehnen)
und Monika Rozmierska (Allenstein) dabei. Die Organisation hinter den Kulissen
hatte wieder Familie Schattauer übernommen, während die Leitung in den bewährten
Händen der stellvertretenden BJO-Vorsitzenden Aneta Maciąg aus Schippenbeil
lag.
Ermöglicht wurde die Kinderfreizeit durch die Unterstützung des
Landkreises
Harburg, der Kreisgemeinschaft Schloßberg und des BJO. Vor allem für die
russischen Kinder aus dem nördlichen Ostpreußen, unter denen auch Heimkinder
waren, ist eine Reise in ein fernes Land keine Selbstverständlichkeit, sondern
ein einmaliges Erlebnis. Dafür nahmen sie die 20-stündige Busfahrt gern in
Kauf.
In diesem Jahr waren es zwar weniger Teilnehmer; aber dadurch herrschte eine besonders nette und familiäre Stimmung. Für Aneta war die Verständigung dank ihrer Kenntnisse der drei Sprachen kein Problem. Wie in den vergangenen Jahren erwiesen sich auch die Kinder als kontaktfreudig und überwanden die Sprachbarrieren schnell, zunächst mit Händen und Füßen, später mit den neu erlernten Vokabeln.
Ein Ferienlager an der Waterkant wäre ohne maritimen Einschlag sicherlich unvollständig. Deshalb ist das Neptunfest bereits zur Tradition geworden, die sich stets großer Beliebtheit erfreut. Alle Kinder und Betreuer werden vom “Gott der Meere” getauft. Als Neptun trat diesmal eine Landratte auf, die extra aus Baden-Württemberg angereist war: Rainer Claaßen, Vorstandsmitglied des BJO. Alle “Täuflinge” mußten eine leckere scharfe Chili-Senfsuppe essen. Im Kontrast dazu stand der Nachtisch: Schlagsahne und ein rohes Ei, auf dem Kopf zerschlagen.
In den Ferien stehen Spaß und Spiel im Vordergrund, aber wir wollten unseren
Gästen auch die reiche Geschichte und Kultur Ostpreußens näherbringen. Ostpreußen
ist ja die Gemeinsamkeit, die uns trotz aller Unterschiede in Herkunft und
Sprache verbindet. So unternahmen wir einen Ausflug nach Lüneburg und besichtigten
dort das
Ostpreußische
Landesmuseum. Eine thematisch passende Ergänzung bildete dabei das Bernsteinschleifen.
Dann durften sich die russischen Kinder kostenlos bei einem Versandhaus einkleiden, wofür wir den Spendern an dieser Stelle herzlich danken!
Die nächste Station war die Heimatstube der Kreisgemeinschaft Schloßberg, in der uns die Geschäftsführerin Frau Wiese herzlich begrüßte. Wir stärkten uns mit Kuchen und Süßigkeiten, um uns dann der Geschichte Ostpreußens und des Kreises Schloßberg zuzuwenden. Anhand von Fotos und verschiedenen Exponaten konnten sich die Kinder buchstäblich ein Bild über das Leben in Ostpreußen vor der Vertreibung machen.
Abgerundet wurde der “Schnupperkurs” zum Thema Ostpreußen durch einen Diavortrag von Norbert Schattauer.
Hinaus in die Natur führte uns eine Moorbahnfahrt, bei der wir die schöne Landschaft des Sietlandes bewundern konnten. Der Besuch auf einem Bauernhof fand auch großen Anklang. Nach Lagerfeuer und Grillwurst, Gesang und Tanz bei Regen verbrachten wir eine geheimnisvolle Nacht im Heu.
Volksfeststimmung, norddeutsche Sitten und Bräuche erlebten wir auf einem Altstadtfest in Otterndorf.
Das Wetter war sehr gut, deswegen konnten wir oft am Baggersee und am Strand die Sonne genießen. Damit die Körper in Form blieben, betätigten wir uns jeden Morgen sportlich und führten eine Fahrradtour und eine Sportolympiade durch.
Die zweite Woche bot weitere Höhepunkte. In der
Wingst,
einer beliebten Erholungsregion im Nordosten des
Landkreises
Cuxhaven, vergnügten wir uns in einem Freizeitpark und im Schwimmbad.
Von Cuxhaven aus fuhren wir mit einem Wattwagen zur Insel Neuwerk.
Ein Ausflug in den
Heide-Park
Soltau mit seinen vielen Attraktionen begeisterte die Kinder. Gerade die
russischen Kinder fühlten sich wie im Märchenland. Leider war die Zeit, die
wir zur Verfügung hatten, viel zu kurz und die Warteschlangen oft viel zu
lang.
Vor Beginn der Kinderfreizeit hatte sich Aneta viele Gedanken über den Abschlußnachmittag gemacht, ohne ihre Skepsis überwinden zu können. Was bereitet man nun vor, wenn nur vier Kinder Deutsch sprechen? Schließlich hatte sie sich der riesigen Herausforderung gestellt und ein Theaterstück auf Deutsch ausgedacht. Um es vorwegzunehmen: Der Applaus zum Schluß belohnte ihre Mühe.
Wenn man mit kleinen Schauspielern ein Stück in einer Sprache einzustudieren will, die beinahe allen fremd ist, gelingt das nicht von heute auf morgen. So probten wir das Theaterstück “Dschungelgeschichte” fast jeden Tag. Schon bei den Proben fanden sich Zuschauer ein, die durch die ungewohnten Klänge angelockt wurden. Nebenbei wurden auch die Kostüme geschneidert und das Bühnenbild gestaltet.
Bald war der Tag des Auftritts herangerückt. Vor unseren Gästen sangen wir die geübten Lieder in verschiedenen Sprachen und führten das Theaterstück mit großem Erfolg auf. Den Abschluß bildete das gemeinsame Singen des Ostpreußenliedes “Land der dunklen Wälder…”
Alles, was schön ist, vergeht leider sehr schnell. Der Abschied fiel uns nicht leicht. Am traurigsten waren die Waisenhauskinder, die in ihre triste Welt zurückkehren mußten. Das Lied “Freunde bleiben Freunde” drückte unsere Hoffnung aus, daß wir uns nicht ganz aus den Augen verlieren und irgendwann die Möglichkeit besteht, sich wieder zu sehen.
Abschließend bedanken wir uns noch einmal ganz herzlich bei Familie Schattauer, die das Kinderlager schon seit Jahren mit viel Mühe organisiert. Auch den Betreuerinnen sagen wir “danke”, “dziękuję” und "спасибо" (spasibo) für die gute Zusammenarbeit.
Die schönsten Erinnerungen bleiben in unseren Herzen für immer!
AM / TM
Artikel veröffentlicht am 07.11.2006, geändert am 17.01.2007
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